Scheibenberg - Vom Krieg und von Krankheiten

Vom Kriegsleid in der Stadt

Auch Kriegsleid blieb der Stadt nicht erspart. Schon wenige Jahre nach der Gründung Scheibenbergs erhoben sich auch im oberen Erzgebirge die Bauern und Knappen. Das war kein Zufall. Hier war die wirtschaftliche Lage der Bauern durch übermäßige Steigerung der Frondienste und Zinse besonders schlecht. Die Bergknappen waren mit Lohn und Arbeitsverhältnissen unzufrieden und als unruhiges Volk bekannt. Ihre Forderungen nach Besserung der wirtschaftlichen Lage blieben unerfüllt. Es gab harte Herren. So ließ Ernst von Schonburg in Elterlein 7 der Aufsässigen enthaupten und in Oberscheibe fünf einziehen. Unser Städtchen erduldete mehr Unruhe als Bedrängnis und wurde nicht so hart betroffen wie die Nachbarorte.
Der Schmalkaldische Krieg brachte 1546/47 Not und Schrecken.
Von den Leidenszeiten des 30 jährigen Krieges berichtet ausführlich Christian Lehmann in seiner Kriegschronik. Nicht weniger wie 32 große Truppendurchzüge, 20 Haupteinquartierungen und unzählige Einfälle und Plünderungen überstand die Stadt. 1618 musste Scheibenberg 10 Defensioner nach Zwickau schicken. Erst 1631 wurde der Kriegslärm im Gebirge lauter. 16 Scheibenberger hatten den Wiesenthaler Pass mit zu besetzen. Im August 1632 nahte der kaiserliche General Holck aus dem Vogtlande kommend dem Erzgebirge. Die Amtleute boten den Bauern, Hammerschmiede und Bergleute auf, im Grunde dem Feinde den Weg zu versperren. Wo auch immer sie auf die Holckischen trafen, wurden sie nach kurzer Gegenwehr überrannt. Dieses tollkühne Unternehmen forderte viel Blutzoll. Die Scheibenberger waren ebenfalls befehlsgemäß ausgerückt. Als sie aber in der Unterscheibe das Getümmel hörten, kehrten sie um. Inzwischen ritt Holck selber das Knöchel herauf. Auf dem Marktplatz in Scheibenberg hielt eram 20. August 1632 eine Stunde Rast. 18 Fahnen, Fußvolk, 5 Reiterregimente, darunter 8 Cornets Kroaten, grobes Geschütz, 500 Bagagewagen und an die tausend Stück erbeutetes Vieh zogen an diesem Tage von früh 7 Uhr bis nachts 12 Uhr durch die Stadt nach Annaberg. Scheibenberg hatte wohl Gnade erlangt, aber um die Plünderungen kam es nicht: "Alles wurde durchplündert, das Bier gesoffen, die Keller erbrochen, Ofen, Tür und Fenstereingeschlagen, die Leute ausgezogen und mitgenommen." Am nächsten Tag flog der rote Hahn au das Dach. 18 Häuser brannten. 1639 litt die Stadt furchtbar unter den Schweden. Der silberne Schützenvogel, 60 Lot schwer und der silberne Abendmahlkelch gingen verloren. Überfälle und Plünderungen nahmen im "Qualjahr" 1640 kein Ende Christian Lehmann floh mit den Bewohnern in den "weiten Wald", wo sie am großen Hemberg 6 Wochen zubrachten. Gar übel konnte es der Stadt 1647 ergehen, als ihr Beschießung und Brand angedroht worden war. Christian Lehmann rettete unter Einsatz seines Lebens durch einen Kniefall vor dem General Gronsfeld die Stadt.
Wegen der Türkenkriege gab es 1661/62 neuen Kriegslärm. 1664 zog Obrist Weittenbach mit 1400 Mann durch die Stadt. Davon erlagen 800 einer Seuche. 64 Scheibenberger wurden angesteckt, wovon 20 starben. In Oberscheibe erkrankten 24 Personen.

In den folgenden Jahren drangsalierten kursächsische Reiter die verarmte Bevölkerung unseres Städtchens, dass damals noch gegen 700 Einwohner zählte. Vor dem Kriege besaß es 800 Bewohner.
Im bayrischen Erbfolgekrieg rückten sächsische Truppen mit den Preußen in Böhmen ein. Dies musste das Obererzgebirge hart büßen. Im September 1778 unternahmen die Österreicher einen Gegenstoß, der die Gegend zwischen Wiesenthal und Schwarzenberg traf. Ohne Wiederstand zu finden, besetzten die Österreicher alle Orte und forderten riesige Summen Geld als Brandschatzung. Angst und Entsetzen erfasste die Gemüter, als sie von den Ortschaften, die die Kontribution nicht zahlen konnten, angesehene Bürger als Geiseln mitnahmen. In Scheibenberg wurden Senator David Graf und Stadtschreiber Gottlob Aug. Mühle nach Budapest verschleppt, weil die Stadt die geforderten 30000 Taler mit einem Geschenk von 600 Talern nicht aufbringen konnte.
1813 marschierte preußische Landwehr unter General Ziehen von Cranzahl kommend durch die Stadt. Schulknaben mussten Schlachtvieh bis Zwönitz nachtreiben. Da Sachsens König der verbündete Napoleons war, musste er den Korsen Hilfstruppen zu seinen Feldzügen stellen. So war auch Karl Tauchmann, Weigelt, Karl Hahn und August Sturm gezwungen, 1812 mit nach Russland zu ziehen. Tauchmann und Weigelt fielen. Hahn und Sturm kämpften vermutlich auch in der Völkerschlacht bei Leipzig mit gegen die, die Deutschlands Erneuerung wollten. Jetzt war endlich auch für die Sachsen die Zeit gekommen, da sie sich zur Sache der um ihre Freiheit kämpfenden deutschen Brüder bekennen konnten. An alle erging der Ruf, in das neugegründete "Banner der Freiwilligen Sachsen" einzutreten. Auch aus dem Erzgebirge meldeten sich Freiwillige.
Aus Scheibenberg trat der Lehren Zieger dem Freikorps bei. Auch in Schleswig-Holstein fochten Scheibenberger mit. 1866 blieben auf den Schlachtfeldern Böhmens Karl M. Zöbisch und H. H. Hüller. Scheibenberg und Oberscheibe stellten 1870-71 gegen 50 Kriegsteilnehmer, von denen zwei fielen, einer verwundet wurde und drei an den Kriegsfolgen starben. Dann kamen die beiden Weltkriege die viel Elend und Leid brachten. Die ungeheuren Opfer an Gut und Mensch.